Die Brüder von Avalon
Vereinen sie ihre Kräfte oder kämpft jeder allein um den Thron?
Beginning
Der Nebel, der von jeher über den Wassern von Avalon lag, hatte sich in dieser Nacht bis an die Schwelle des alten Königshauses geschoben, als wollte die Insel selbst kommen, um ihren Hüter sterben zu sehen. In der obersten Kammer des Turmes, wo eine einzige Kerze gegen das Dunkel focht, lag Owain, letzter König der alten Ordnung, und rang um jeden Atemzug, als sei die Luft ein Feind geworden. An seinem Lager standen seine beiden Söhne, und zwischen ihnen, auf einem Tuch aus verblichenem Purpur, ruhte das Einzige, das mehr war als der König selbst: Caledor, das Schwert der ersten Könige, dessen Klinge kein Rost je berührt und dessen Schneide seit tausend Jahren die Grenze zwischen Ordnung und Chaos gehalten hatte.
Cadan, der Ältere, stand aufrecht wie ein Speer, die breiten Schultern gegen den Kummer gestemmt, das Gesicht so unbewegt, wie er es sich in Jahren der Waffenübung antrainiert hatte. Er war der geborene Krieger, und wer ihn ansah, dachte an Schlachtreihen und Befehle, an einen Mann, der wusste, dass Stärke die einzige Sprache ist, die das Unheil versteht. Neben ihm kniete Elian, der Jüngere, dessen Hände die welke Rechte des Vaters umschlossen hielten, als könne er den Tod durch bloße Wärme aufhalten. Elian war kein Krieger; er war der Träumer, der Leser alter Schriften, der Junge, der lieber den Sternen zuhörte als den Trommeln – und doch lag in seinen dunklen Augen jetzt etwas, das härter war als jede Klinge Cadans: die stille, unbeugsame Kraft dessen, der zu lieben versteht und darum zu verlieren fürchtet.
„Hört mich an“, flüsterte der König, und seine Stimme, einst ein Donner über den Feldern, war nur noch ein Wind in dürrem Gras. „Ich habe nicht mehr viel Zeit, und was ich zu sagen habe, ist schwerer als das Sterben.“ Die Brüder neigten sich beide näher, und für einen Augenblick vergaßen sie, wie fremd sie einander in den letzten Jahren geworden waren. „Caledor ist keine Waffe, so wie ihr meint. Es ist eine Pflicht, die Gestalt eines Schwertes angenommen hat. Seit den Tagen der ersten Könige liegt auf Avalon ein Bann und ein Segen zugleich: Solange die Klinge in der Hand eines rechtmäßigen Hüters ruht, hält sie das Alte Dunkel jenseits der Nebelgrenze gefangen. Vergesst nicht – der Feind ist nicht tot. Er schläft. Und er wartet auf den Tag, an dem kein würdiger Arm mehr das Schwert zu führen weiß.“