TellAria

Der lange Weg nach Hause

Findet er einen Platz in der neuen Welt oder bleibt er für immer ein Fremder?

Beginning

Man hatte mir gesagt, das Schwerste sei der Krieg. Man hatte sich geirrt. Das Schwerste ist die Rückkehr.

Ich stieg an einem verhangenen Oktobermorgen aus dem Zug, in einer Stadt, deren Namen ich mein Leben lang gekannt und die ich dennoch nicht wiedererkannte. Vier Jahre. Vier Jahre hatte ich in fremder Erde gelegen, in Schützengräben, in Lazaretten, in dem endlosen Warten zwischen den Schrecken, und in all diesen Nächten hatte mich ein einziges Bild getragen: die Heimat, wie ich sie verlassen hatte. Der Bahnhof mit dem grünen Vordach. Die Lindenallee, die zum Marktplatz führte. Das Läuten der Kirchturmuhr, die immer zwei Minuten nachging. Ich hatte dieses Bild gehütet wie eine Kerze im Sturm, und nun, da ich endlich davorstand, erlosch es.

Das grüne Vordach war fort; man hatte den Bahnhof neu verputzt, in einem kalten, sachlichen Grau. Die Linden hatte man gefällt – für Brennholz, erfuhr ich später, in dem Winter, in dem die Kohle ausblieb. Und die Kirchturmuhr ging nicht mehr nach, weil es den Kirchturm nicht mehr gab; an seiner Stelle klaffte eine Lücke im Himmel, gesäumt von den Zähnen zerborstener Mauern. Ich stand mit meinem Seesack auf dem fremden Bahnsteig, ein Mann von neunundzwanzig Jahren, der aussah wie vierzig, und begriff langsam, mit einer Kälte, die tiefer ging als die des Morgens, dass ich für ein Land gekämpft hatte, das es nicht mehr gab.