Das Lachen der Clowns
Steht er noch einmal in der Manege oder verlässt er die Bühne für immer?
Beginning
Theo Brandl hatte Millionen Menschen zum Lachen gebracht, und nun konnte er nicht einmal mehr sich selbst im Spiegel ansehen, ohne zusammenzuzucken.
Vor einem Jahr war er der bekannteste Komiker des Landes gewesen, ein Mann, dessen Gesicht von Plakaten lachte, dessen Sendung jeden Samstagabend ein Millionenpublikum vor die Fernseher lockte, dessen Pointen am Montag in den Büros nacherzählt wurden. Und dann, an einem einzigen Abend, vor laufender Kamera, hatte er alles zerstört. Es war nicht einmal ein böser Mensch gewesen, der das tat; es war ein müder, ausgebrannter Mann, der gerade seine Frau verloren hatte und es niemandem gesagt hatte, der auf die Bühne getreten war, weil die Show weitergehen musste, und der, als ein Zuschauer ihn aufzog, etwas zurückgab, das so grausam, so verletzend war, dass die Stille im Saal danach lauter gewesen war als jedes Gelächter. Am nächsten Morgen war sein Name ein Schimpfwort. Die Sendung wurde abgesetzt, die Verträge gekündigt, die Freunde verschwanden, und Theo Brandl, der König des Samstagabends, war über Nacht zu einem Aussätzigen geworden.
Er hatte das Jahr danach in einer kleinen Wohnung verbracht, mit heruntergelassenen Rollläden, und er hatte aufgehört zu wissen, wer er war, wenn niemand lachte. Bis eines Tages ein Brief kam, mit krakeliger Handschrift, von einem Ort, an den er seit dreißig Jahren nicht gedacht hatte: vom Zirkus Bellani, dem winzigen, fahrenden Zirkus, in dem er als Junge angefangen hatte, ein Niemand mit zu großen Schuhen und einer roten Nase, ehe das Fernsehen ihn fortgeholt und groß gemacht hatte. »Komm heim, Junge«, stand in dem Brief, in der Handschrift des alten August. »Hier weiß noch jemand, wer du wirklich bist.«