Das Restaurant am Ende der Welt
Kämpft er um sein Lokal oder gibt er den Traum auf und zieht fort?
Beginning
Man nannte den Ort, halb im Scherz und halb aus Verzweiflung, das Ende der Welt, und als ich vor sieben Jahren zum ersten Mal mit meinem alten Wagen die letzte Kurve der Küstenstraße nahm und Vesterhamn unter mir liegen sah — ein Dutzend graue Häuser, geduckt gegen den Wind, ein verfallender Hafen, dahinter nichts als die schiefergraue See bis zum Horizont —, da dachte ich, der Name lüge nicht. Es war ein Ort, an dem die Welt aufhörte, und genau deshalb war ich gekommen.
Ich war einundvierzig damals und ein Koch, den man in den richtigen Kreisen kannte. Ich hatte in den Küchen großer Städte gearbeitet, hatte Sterne erkocht für andere und beinahe einen für mich selbst, und ich hatte, in den langen Nächten am Herd, das Gefühl verloren, warum ich überhaupt angefangen hatte. Das Kochen, das mir als Junge die einzige Sprache gewesen war, in der ich Liebe ausdrücken konnte, war zu einem Geschäft geworden, zu einem Wettbewerb, zu einem Lärm aus Bewertungen und Erwartungen, und irgendwann, mitten in einem perfekten Service, vor einem perfekten Teller, hatte ich begriffen, dass ich nichts mehr fühlte. Also tat ich, was kein vernünftiger Mensch tat: Ich gab alles auf, kaufte für wenig Geld ein leerstehendes Haus am Hafen von Vesterhamn und eröffnete ein Restaurant am Ende der Welt.
Ich nannte es schlicht *Bei Jakob*, nach mir, denn es schien mir ehrlicher als jeder klügere Name. Es hatte zwölf Plätze. Ich kochte, was das Meer und das karge Land hergaben — Dorsch und Krabben, die mir die letzten Fischer brachten, Kartoffeln und Kohl von den Feldern hinter dem Dorf, im Sommer Beeren von den Hängen, im Herbst Pilze aus dem Küstenwald. Ich kochte einfach und ich kochte wahr, und in den ersten Jahren kamen die Menschen, von weit her, neugierig auf den Koch, der die Stadt verlassen hatte, um an einem vergessenen Hafen Dorsch zu braten. Sie kamen, und sie aßen, und manche von ihnen weinten beim Essen, und ich wusste wieder, warum ich Koch geworden war.