Der Preis des Ruhms
Opfert sie ihre Integrität für den Erfolg oder bleibt sie sich treu?
Beginning
Ich hatte mein ganzes Leben darauf gewartet, dass jemand wie Konrad Veit mir gegenübersaß und sagte, was er nun sagte — und jetzt, da es geschah, spürte ich, wie sich mir die Kehle zuschnürte, als hätte man mir das Falsche zu trinken gegeben.
Wir saßen in seinem Büro im obersten Stock eines Hauses am Gendarmenmarkt, hinter den Fenstern die Lichter Berlins, vor mir auf dem niedrigen Glastisch ein Vertrag, ein Glas Wasser, das ich nicht anrührte, und Konrad Veits gefaltete Hände, an denen eine einzige, schwere Uhr glänzte. Veit war der mächtigste Konzertagent des Landes. Wen er nahm, der spielte in zwei Jahren in Wien, in London, in New York; wen er fallen ließ, von dem hörte man nie wieder. Ich war sechsundzwanzig, ich spielte seit drei Jahren in halbleeren Sälen für ein Honorar, das kaum die Miete deckte, und ich wusste, dass dieser Abend der wichtigste meines Lebens war, ehe Veit den ersten Satz beendet hatte.
»Anna Reinhardt sagt ihr Debüt in der Philharmonie ab«, sagte er. »In drei Wochen. Krankheit, offiziell. Ich brauche jemanden, der einspringt — jung, brillant, eine Geschichte, die man erzählen kann. Ich habe Sie spielen hören, in diesem traurigen kleinen Saal in Kreuzberg, vor vierzig Leuten. Sie haben Talent, das in solche Säle nicht gehört. Ich kann Sie in drei Wochen vor zweitausend Menschen stellen und in drei Jahren vor die ganze Welt. Die Frage ist nur, ob Sie bereit sind, dafür zu tun, was getan werden muss.«