TellAria

Die Stadt unter dem Eis

Dringen sie in die Stadt ein oder versiegeln sie den Fund für immer?

Beginning

Der Bohrer verstummte um 03:14 Uhr, und in der plötzlichen Stille hörte Dr. Lena Brandt zum ersten Mal seit Wochen ihr eigenes Herz schlagen. Vier Monate hatte das Team der Station Erebus-9 sich durch das antarktische Schelfeis gefräst, Meter für Meter, durch zweitausend Jahre gefrorenes Wasser. Der Plan war einfach gewesen: eine Wasserprobe aus dem subglazialen See, ein paar Mikroben, eine Veröffentlichung, vielleicht ein Preis. Niemand hatte mit etwas gerechnet, das den Bohrer zum Stehen brachte, bevor er den See erreichte.

»Es ist kein Fels«, sagte Tomas Reuter, ohne den Blick vom Bildschirm zu heben. Der Geophysiker hatte die Brille auf die Stirn geschoben, und in seinem Gesicht lag eine Anspannung, die Lena an ihm noch nie gesehen hatte. »Fels gibt nach. Fels splittert. Das hier hat den Diamantkopf abgelenkt, als wäre er aus Papier. Und sieh dir die Reflexion an.«

Lena beugte sich über seine Schulter. Auf dem Sonarbild, dreihundert Meter unter ihren Füßen, zeichnete sich eine Linie ab, die kein Eis und kein Stein gezogen haben konnte. Sie war zu gerade. Sie verlief schnurgerade über zwei Kilometer, dann knickte sie in einem exakten rechten Winkel ab und verschwand in der Dunkelheit der Daten. Daneben erhoben sich Formen, regelmäßig, gestaffelt, wie die Silhouette einer Stadt bei Nacht, gesehen aus großer Entfernung.