Die Insel ohne Namen
Erkunden sie das Innere der Insel oder warten sie am Strand auf Rettung?
Beginning
Der Sturm kam aus dem Nichts, so wie das Meer es manchmal tut, wenn es einen Menschen daran erinnern will, wie klein er ist. Eben noch hatte die "Seeschwalbe", ein kleines Forschungssegelboot, ruhig über eine glatte, silberne See gepflügt; im nächsten Augenblick türmten sich schwarze Wolken am Horizont auf, der Wind heulte in den Wanten, und Wellen, hoch wie Häuser, warfen das Boot umher wie ein Stück Treibholz. Ida hatte sich an der Reling festgeklammert, das Salzwasser brannte ihr in den Augen, und sie hörte den Kapitän etwas über Funk schreien – und dann, mit einem furchtbaren Krachen, war der Mast gebrochen, das Boot kenterte, und die Welt versank in tosender Schwärze.
Als Ida wieder zu sich kam, lag sie mit dem Gesicht im warmen, weißen Sand eines Strandes. Die Sonne brannte auf ihren Rücken, Möwen kreischten, und das Meer, das sie beinahe verschluckt hätte, leckte nun friedlich an ihren Füßen, als wäre nichts gewesen. Mühsam richtete sie sich auf, hustete Salzwasser, und sah sich um. Sie lebte. Sie war an Land. Aber wo?
Vor ihr erhob sich eine Insel, grün und wild und vollkommen fremd. Dichte Wälder bedeckten steile Hänge, die zu einem nebelverhangenen Berg in der Mitte aufstiegen. Bunte Vögel flatterten zwischen den Bäumen, und ein Wasserfall stürzte irgendwo in der Ferne über die Felsen. Es war wunderschön – und es stand auf keiner Karte. Ida, die das Seegebiet vor der Abreise studiert hatte, wusste das mit Gewissheit. Hier, wo sie gestrandet war, hätte gar keine Insel sein dürfen. Eine Insel ohne Namen, die niemand kannte.