TellAria

Sommer in der Toskana

Bleibt sie für die Liebe oder kehrt sie in ihr altes Leben zurück?

Beginning

Der Bus ließ Hanna an einer staubigen Straße zwischen sanften Hügeln zurück, und zum ersten Mal seit Monaten konnte sie wieder atmen. Vor ihr lag die Toskana, wie aus einem Gemälde: goldene Felder, dunkelgrüne Zypressen, die wie schlanke Wächter den Weg säumten, und in der Ferne, auf einem Hügel, ein altes Steinhaus mit roten Ziegeln. Die Luft roch nach trockenem Gras, nach Lavendel und nach reifen Trauben. Es war Anfang Juni, und der toskanische Sommer empfing Hanna mit einer Wärme, die ihr bis ins Herz drang.

Hanna war achtundzwanzig und erschöpft – erschöpft von ihrem grauen Büroleben in Frankfurt, von endlosen Tabellen und Meetings, von einem Leben, das wie auf Schienen lief und sie doch nirgendwohin brachte, wo sie sein wollte. In wenigen Wochen sollte sie eine wichtige Entscheidung treffen: eine Beförderung annehmen und endgültig mit Stefan, ihrem langjährigen, verlässlichen Freund, zusammenziehen. Alles war vorgezeichnet, sicher, vernünftig. Und genau deshalb war Hanna für einen Sommer geflohen – auf ein altes Weingut in der Toskana, um zu arbeiten, nachzudenken und herauszufinden, ob das Leben, das sie führte, wirklich ihr eigenes war.

Das Weingut der Familie Ricci lag am Ende eines langen Feldwegs, umgeben von endlosen Reihen von Weinstöcken. Eine kleine, rundliche Frau mit grauem Haar und einem warmen Lächeln empfing Hanna mit offenen Armen, als wäre sie eine alte Freundin und keine fremde Saisonarbeiterin. "Benvenuta, willkommen!", rief Signora Ricci und drückte ihr sogleich ein Glas kühlen Weißwein und ein Stück Brot mit Olivenöl in die Hand. "Du bist viel zu blass, cara. Die toskanische Sonne wird das schon richten." Hanna musste lachen, zum ersten Mal seit langer Zeit, ein echtes, herzliches Lachen.